Seiteninhalt

Bericht über die Aktion »Gewalt kommt nicht in die Tüte« am 30.11.19 in Stockelsdorf

Am Infostand vor den Supermärkten in der Segeberger Straße wurden 400 Brötchen an die Passant*innen verteilt. Die Brötchen waren in speziellen, mit Informationen bedruckten Tüten verpackt. 5.000 dieser Brötchentüten gingen in der letzten Woche rund um den „Internationalen Tag gegen häusliche Gewalt“ bei der Feinbäckerei Schüler in Stockelsdorf über den Tresen, weitere Aktionen mit insgesamt 3.000 Tüten fanden in Bad Schwartau, Scharbeutz, Eutin, Ahrensbök, Ratekau, Neustadt und Fehmarn statt. Ostholsteins Betriebe der Bäckerinnung überreichten insgesamt 24.000 Brötchentüten an ihre Kundschaft, schleswig-holsteinweit waren es rd. 360.000.

Bei der Aktion, die vom Gesangsduo Rosarot musikalisch unterstützt wurde, haben viele Stockelsdorfer*innen das Gespräch mit der Bürgermeisterin Julia Samtleben und Ruth Taschendorf von der „Frauenberatungsstelle und Notruf Ostholstein e. V.“ gesucht. „Nach dem Motto „Hinsehen-Handeln-Hilfe holen“ möchten wir dazu aufrufen, die Betroffenen von häuslicher Gewalt nicht alleine zu lassen. Es gibt Hilfsmöglichkeiten wie den Frauennotruf, Frauenhäuser und die Polizei“, so die Unterstützerinnen. „Ziel dieser Aktion ist auch, das bundesweite Hilfetelefon bei Gewalt gegen Frauen mit der kostenlosen, anonymen Nummer 08000 116 016 bekannt zu machen. Es ist 24/7 in 17 Sprachen erreichbar und berät auch besorgte Nachbar*innen oder Kolleg*innen“, so die Gleichstellungsbeauftragte Gudrun Dietrich. Auch der Präventionsbeauftragte der Polizei für Ostholstein Michael Bergmann und der Sachbearbeiter für häusliche Gewalt von der Polizei Detlef Bodanowski, die die Aktion in Stockelsdorf tatkräftig unterstützt haben, führten viele informative Gespräche mit den Bürger*innen.
Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO ist Gewalt weltweit das größte Gesundheitsrisiko für Frauen und Kinder, inklusive der psychosomatischen Folgen. In 2018 wurden laut der Statistik des Bundeskriminalamtes insgesamt 140.755 Personen Opfer von Partnerschaftsgewalt. Dazu zählen unter anderem Mord und Totschlag, Körperverletzungen, sexuelle Übergriffe, Bedrohung, Stalking, Nötigung, Freiheitsberaubung, Zuhälterei und Zwangsprostitution. 81,3 % der Opfer sind Frauen. Bei Vergewaltigung, sexuellen Übergriffen und sexueller Nötigung in Partnerschaften sind die Opfer zu 98,4 % weiblich, bei Bedrohung, Stalking, Nötigung 88,5 %. Das sind jedoch nur die offiziellen Zahlen, man geht von einer weitaus höheren Dunkelziffer aus. 122 Frauen wurden in 2018 in Deutschland durch Partnerschaftsgewalt getötet, das bedeutet: an jedem dritten Tag. Mehr als ein Mal pro Stunde wird statistisch gesehen eine Frau durch ihren Partner gefährlich körperlich verletzt.
Dass häusliche Gewalt leider überall vorkommt, zeigen auch die angezeigten Zahlen für Schleswig-Holstein. Hier wurden im Jahr 2018 insgesamt 3.871 Frauen Opfer von Partnerschaftsgewalt. 15 von ihnen verloren dabei ihr Leben. In Ostholstein leistete allein der Frauennotruf 213 Beratungen. „Angesichts der Anzahl von nur 15 Frauenhausplätzen inclusive der mitgebrachten Kinder und fehlender Schutzwohnungen gibt es noch sehr viel zu tun“, so die Akteure in Stockelsdorf.