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Information anlässlich des Internationalen Tages gegen häusliche Gewalt am 25. November

Die meisten Gewalttaten werden zu Hause in der Familie verübt, und meistens sind die Opfer Frauen und Kinder. In 2019 ist die Zahl der gemeldeten Taten weiter gestiegen: Laut Kriminalstatistik zur Partnerschaftsgewalt in Deutschland starben 149 Menschen durch Gewalt ihres Partners, davon 117 Frauen. Das sind 149 Menschen, deren Tod sinnlos und vermeidbar war. In Schleswig-Holstein wurden knapp 4.900 Menschen Opfer von Partnergewalt in den unterschiedlichsten Ausprägungen, davon waren 3.900 weiblich. Über die Dunkelziffer gibt es keine Angaben, es wird jedoch eine sehr hohe Zahl Betroffener vermutet.

Häusliche Gewalt hat physische und psychische Erscheinungsformen, und die Opfer trauen sich oft nicht, darüber zu sprechen. Laut Familienministerin Franziska Giffey holen sich zwei Drittel der weiblichen Opfer auch nach schwerster Gewalterfahrung keine Hilfe, zu groß sind Angst und Scham.

Die steigende Zahl dieser Gewalttaten ist besonders mit Blick auf die Pandemie alarmierend, denn durch soziale Isolation, Arbeitslosigkeit und Sorgen steigt die Gefahr häuslicher Gewalt – meist unbemerkt von der Öffentlichkeit. Durch die Ausgangsbeschränkungen ist es noch schwieriger geworden, sich Hilfe zu suchen.

„In diesem Jahr können wir Corona bedingt keine persönliche Veranstaltung durchführen,“ so die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Stockelsdorf, „aber wir hoffen, mit den Infotischen bei unseren Partnern, der Feinbäckerei Schüler am Rathausmarkt und der Gemeindebücherei, möglichst viele Menschen zu erreichen. Wir wollen dazu ermutigen, Betroffene nicht alleine zu lassen und die Hilfsangebote weiterzugeben.“

Genau hier setzt auch eine neue Aktion des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend an: www.staerker-als-gewalt.de. Auf dieser Seite sind sehr umfassende Informationen über alle Formen von Gewalt gegen Frauen (und Männer) und die entsprechenden Hilfsangebote zusammengefasst. Dadurch sollen wir alle dazu motiviert werden, uns gegen Gewalt einzusetzen und den Betroffenen zu helfen.

„Wenn das eigene Zuhause kein Ort der Geborgenheit und Sicherheit mehr ist, muss gehandelt werden. Doch es gibt Hilfe. Die Betroffenen, aber auch Angehörige und Nachbarn können von verschiedenen Beratungsstellen Unterstützung bekommen, unbürokratisch und sofort. Manchmal hilft es schon, wenn man als Angehöriger weiß, wie man sich bei einem Verdacht auf häusliche Gewalt im eigenen Umfeld verhalten kann“, so Stockelsdorf Bürgermeisterin Julia Samtleben, die die Aktionen unterstützt.

Ein weiterer Beitrag für die Enttabuisierung von häuslicher Gewalt ist die Schleswig-Holstein-weite alljährliche Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ des Landesinnungsverbandes des Bäckerhandwerks, der Gleichstellungsbeauftragten und der lokalen Bündnisse „Gewalt gegen
Frauen“. Unter der Schirmherrschaft der Ministerin für Inneres, ländliche Räume, Integration und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein, Dr. Sabine Sütterlin-Waack, werden landesweit ab dem 23.11.2020 knapp 320.000 Brötchentüten mit dem Aufdruck „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ in rund 275 Verkaufsstellen der beteiligten 47 Bäckereien verteilt. In Stockelsdorf und Lübeck unterstützt die Feinbäckerei Schüler die Aktion auch in diesem Jahr. Auf den Brötchentüten steht unter anderem die Telefonnummer des Hilfetelefons 08000 116 016. Das Hilfetelefon ist 365 Tage im Jahr rund um die Uhr in 17 Sprachen erreichbar und unterstützt Betroffene, Angehörige und Fachkräfte kostenlos und unbürokratisch. Mehr auf www.hilfetelefon.de.

Wir geben auch in diesem Jahr wieder 5.000 Brötchentüten heraus, davon 1.000 in unserer Stockelsdorfer Filiale“, so Chefin Bettina Schüler. „Dadurch kann sich jeder unverbindlich informieren und herausfinden, welche Hilfe die richtige ist. Außerdem haben wir im Eingangsbereich einen Infotisch mit Giveaways des Hilfetelefons und weiteren Informationen bereitgestellt“, so Schüler.

Neben dieser bundesweiten Beratung gibt es auch Unterstützung im Kreis. „In Ostholstein beraten wir vom Frauennotruf e.V. telefonisch und per E-Mail, unter anderem zum Gewaltschutzgesetz bei Schutzanordnungen oder Wohnungszuweisung bei häuslicher Gewalt, nach polizeilicher Wegweisung und bei Stalking. Wir stehen sowohl Angehörigen als auch MitarbeiterInnen aus pädagogischen und psychosozialen Arbeitsbereichen unterstützend zur Verfügung“, so Ruth Taschendorf von Frauenberatung und Notruf Ostholstein e.V., Telefon 04521/73043. „Zur Zeit ist auch die Einrichtung einer Internetplattform zur Online-Beratung in Arbeit. Hier können Betroffene einen Account anlegen und sich sicher und bei Wunsch anonym online von uns beraten lassen,“ berichtet Stella Werre, neue Mitarbeiterin im Frauennotruf in Eutin. Ein entsprechender Link wird demnächst auf www.frauennotruf-oh.de zur Verfügung stehen.

Auch das Frauenhaus Ostholstein e.V. berät unter der Telefonnummer 04521/8264410.